NIS-2-Registrierung: Was Unternehmen jetzt noch tun müssen
Der 31. Juli 2026 war der offizielle Stichtag für die BSI-Registrierung im Rahmen der NIS-2-Richtlinie. Wer die NIS-2 Registrierung beim BSI bis zu diesem Datum noch nicht abgeschlossen hat, steht nun vor einer klaren Aufgabe: unverzügliches Handeln. Denn Untätigkeit ist keine Option – nicht rechtlich, nicht wirtschaftlich, und nicht mit Blick auf die eigene Unternehmensverantwortung.
Was nach dem Stichtag gilt: Die aktuelle Rechtslage
Mit dem NIS2UmsuCG – dem deutschen Umsetzungsgesetz der EU-Richtlinie – ist die Registrierungspflicht beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) für Betreiber wesentlicher und wichtiger Einrichtungen verbindlich. Der Stichtag 31. Juli 2026 markiert nicht das Ende der Pflicht, sondern den Beginn des behördlichen Vollzugs.
Laut Angaben der IHK und des BSI waren zum Stichtag rund 10.500 von 29.000 betroffenen Unternehmen noch nicht registriert. Das entspricht mehr als einem Drittel aller verpflichteten Einrichtungen – ein erheblicher Compliance-Rückstand, den Behörden zunehmend im Blick haben.
Welche Konsequenzen drohen?
Das NIS2UmsuCG sieht empfindliche Sanktionen vor:
- Bußgelder bis zu 10 Millionen Euro oder 2 % des weltweiten Jahresumsatzes für wesentliche Einrichtungen
- Bußgelder bis zu 7 Millionen Euro oder 1,4 % des Jahresumsatzes für wichtige Einrichtungen
- Persönliche Haftung der Geschäftsführung bei grober Fahrlässigkeit oder vorsätzlichem Verstoß
- Mögliche Anordnung vorübergehender Betriebsunterbrechungen durch das BSI
Die Geschäftsführerhaftung ist dabei kein theoretisches Risiko. Das NIS2UmsuCG schreibt explizit vor, dass Leitungsorgane die Umsetzung von Cybersicherheitsmaßnahmen aktiv steuern und überwachen müssen.
NIS-2 Registrierung BSI: So funktioniert die Nachregistrierung
Die Nachregistrierung ist möglich und sollte umgehend eingeleitet werden. Das BSI betreibt dafür das MELDEPFL-Portal (ehemals KRITIS-Portal), das als zentrales Meldesystem für alle betroffenen Einrichtungen dient.
Schritt-für-Schritt: Was jetzt zu tun ist
1. Betroffenheit prüfen
Nicht jedes Unternehmen ist automatisch NIS-2-pflichtig. Betroffen sind Einrichtungen in 18 definierten Sektoren – von Energie und Transport bis hin zu digitaler Infrastruktur, Gesundheit und Abfallwirtschaft – die bestimmte Schwellenwerte überschreiten:
- Wesentliche Einrichtungen: ab 250 Mitarbeitern oder 50 Mio. € Jahresumsatz + 43 Mio. € Bilanzsumme
- Wichtige Einrichtungen: ab 50 Mitarbeitern oder 10 Mio. € Jahresumsatz + 10 Mio. € Bilanzsumme
Einen ersten Überblick, welche Unternehmen betroffen sind, bietet unser Artikel NIS-2-Richtlinie: Wer muss handeln und was Unternehmen jetzt wissen müssen.
2. Registrierung im BSI-Portal abschließen
Für die Registrierung werden folgende Informationen benötigt:
- Unternehmensname, Rechtsform und Handelsregisternummer
- Kontaktdaten der Ansprechperson für IT-Sicherheit
- Einstufung als wesentliche oder wichtige Einrichtung
- Zugehöriger NIS-2-Sektor gemäß NIS2UmsuCG-Anhang
- Zuständige Aufsichtsbehörde (BSI oder sektorbezogene Behörde)
3. CISO oder Sicherheitsverantwortlichen benennen
Das Gesetz fordert eine verantwortliche Person für IT-Sicherheit. Diese muss intern benannt und im BSI-Portal hinterlegt werden.
4. Meldeprozesse etablieren
Nach der Registrierung beginnt die operative Pflicht: Erhebliche Sicherheitsvorfälle müssen innerhalb von 24 Stunden gemeldet werden, ein vollständiger Bericht folgt innerhalb von 72 Stunden.
Welche Maßnahmen nach der Registrierung folgen müssen
Die Registrierung ist der erste Schritt – nicht der letzte. Das NIS2UmsuCG verlangt von betroffenen Einrichtungen die Umsetzung eines umfassenden Risikomanagements.
Technische und organisatorische Mindestmaßnahmen
Laut BSI-Mindeststandard und § 30 NIS2UmsuCG sind unter anderem verpflichtend:
- Risikoanalyse und Informationssicherheitskonzept (ISMS)
- Incident Response und Business Continuity Management
- Sicherheit der Lieferkette – auch Drittanbieter und Dienstleister müssen geprüft werden
- Zugriffskontrolle und Identitätsmanagement (MFA, Privileged Access)
- Verschlüsselung sensibler Daten in Übertragung und Speicherung
- Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeitenden
- Schwachstellenmanagement und regelmäßige Sicherheitstests
Ein strukturiertes Vorgehen bei der Umsetzung dieser Anforderungen beschreibt unser Leitfaden NIS-2-Anforderungen Schritt für Schritt umsetzen.
Zero Trust als strategisches Fundament
Für Unternehmen, die ihre Sicherheitsarchitektur grundlegend ausrichten wollen, empfiehlt das BSI – wie auch internationale Sicherheitsbehörden – den Übergang zu Zero-Trust-Prinzipien. Das bedeutet: Kein Zugriff ohne Verifikation, keine impliziten Vertrauensverhältnisse innerhalb des Netzwerks.
Das Zero-Trust-Modell ist kein Produkt, sondern ein Architekturprinzip. Mehr dazu in unserem Beitrag Zero Trust Architekturprinzip.
IT-Compliance für KMU: Besondere Herausforderungen
Gerade für mittelständische Unternehmen stellt die NIS-2-Compliance eine organisatorische Herausforderung dar. Ressourcen sind begrenzt, eigene IT-Sicherheitsteams selten. Dennoch gelten die gleichen gesetzlichen Anforderungen.
Eine PwC-Studie aus dem Juni 2026 zeigt: Nur 38 % der betroffenen KMU haben ein formales ISMS eingeführt. Gleichzeitig sind gerade kleinere Unternehmen überproportional häufig Ziel von Ransomware-Angriffen – ein Risiko, das durch mangelnde Cybersicherheitsmaßnahmen weiter steigt.
Wirksamen Schutz vor Ransomware und anderen Cyberbedrohungen im Mittelstand beschreibt unser Beitrag zur Ransomware-Prävention für KMU.
Externe Unterstützung gezielt nutzen
Für KMU ohne eigene Sicherheitsabteilung bieten sich folgende Optionen an:
- Managed Security Service Provider (MSSP): Outsourcing von Monitoring, Incident Response und Compliance-Dokumentation
- IT-Sicherheitsberatung: Externe Fachkräfte begleiten die Registrierung und strukturieren das ISMS-Projekt
- BSI-Ressourcen: Das BSI stellt Umsetzungshilfen, Checklisten und Branchenstandards kostenlos bereit (it-grundschutz.bsibund.de)
- IHK-Beratung: Viele Industrie- und Handelskammern bieten kostenlose Erstgespräche zur NIS-2-Betroffenheit an
NIS-2-Checkliste: Was Unternehmen nach dem 31. Juli 2026 erledigen müssen
Die folgende Übersicht gibt einen kompakten Handlungsrahmen:
- Betroffenheit nach NIS2UmsuCG geprüft (Sektor, Größe, Funktion)
- Registrierung im BSI-Portal eingeleitet oder abgeschlossen
- Verantwortliche Person für IT-Sicherheit (CISO / ISB) benannt
- Meldeprozesse für Sicherheitsvorfälle definiert und kommuniziert
- Risikoanalyse und ISMS-Konzept beauftragt oder in Umsetzung
- Lieferkette und kritische Dienstleister auf Sicherheitsanforderungen geprüft
- Schulungsplan für Mitarbeitende und Geschäftsführung aufgesetzt
- Nachweis der Maßnahmen für eventuelle BSI-Prüfung dokumentiert
FAQ: NIS-2-Registrierung BSI
Was passiert, wenn ich die BSI-Registrierung jetzt noch nachhole – drohen trotzdem Bußgelder?
Eine unverzügliche Nachregistrierung wird von Behörden grundsätzlich positiv bewertet. Sie mildert das Bußgeldrisiko, schließt es aber nicht vollständig aus. Entscheidend ist, dass die Registrierung nachweislich eingeleitet wurde und keine weiteren Compliance-Verstöße hinzukommen. Wer parallel mit der Umsetzung technischer Maßnahmen beginnt, signalisiert behördliche Kooperationsbereitschaft.
Gilt die NIS-2-Registrierungspflicht auch für Tochtergesellschaften internationaler Konzerne?
Ja. Maßgeblich ist, ob die Einrichtung in Deutschland tätig ist und die Schwellenwerte erfüllt – unabhängig davon, ob der Mutterkonzern bereits in einem anderen EU-Land registriert ist. Jede eigenständige juristische Einheit mit Sitz oder Haupttätigkeit in Deutschland muss die Registrierungspflicht eigenständig erfüllen.
Was versteht das BSI unter einem „erheblichen Sicherheitsvorfall“, der gemeldet werden muss?
Ein Sicherheitsvorfall gilt als erheblich, wenn er erhebliche Betriebsstörungen verursacht oder verursachen kann, oder wenn er andere natürliche oder juristische Personen erheblich beeinträchtigt. Dazu zählen insbesondere Ransomware-Angriffe, Datenschutzverletzungen mit Betriebsrelevanz, DDoS-Angriffe auf kritische Systeme sowie Kompromittierungen von Lieferketten.